HAL-Exoskelett im Gangtraining bei ALS: Mehr Gehstrecke laut Studie
Die Untersuchung, veröffentlicht bei Frontiers in Neurology von einem Team der Toho Universität in Tokio, berichtet allerdings keine Veränderungen bei Gehgeschwindigkeit, Schrittparametern oder Lebensqualität.

Eine japanische Beobachtungsstudie mit 30 ALS-Patienten zeigt, dass Gangtraining mit dem HAL-Exoskelett die im Zwei-Minuten-Gehtest gemessene Gehstrecke nach neun Einheiten statistisch signifikant verbessert. Die Untersuchung, veröffentlicht bei Frontiers in Neurology von einem Team der Toho Universität in Tokio, berichtet allerdings keine Veränderungen bei Gehgeschwindigkeit, Schrittparametern oder Lebensqualität. Für Physiotherapie-Praxen, die ALS-Betroffene begleiten, ist die Datenlage damit differenzierter, als es der Teilerfolg im Hauptparameter vermuten lässt.
Studiendesign im Überblick
Eingeschlossen wurden 30 Betroffene, die mit Hilfsperson oder Gehhilfe noch mindestens zehn Meter weit gehen konnten. Über mindestens vier Wochen erhielten sie neun HAL-Sitzungen à 20 bis 40 Minuten, maximal eine pro Tag. Gemessen wurde jeweils ohne Exoskelett: der Zwei-Minuten-Gehtest (2MWT), der Zehn-Meter-Gehtest mit Geschwindigkeit, Schrittlänge und Kadenz sowie der SF-36 zur Lebensqualität. Es handelt sich um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie ohne Vergleichsgruppe und ohne Randomisierung.
Was die Zahlen konkret sagen
Die Gehstrecke im 2MWT stieg im Mittel von rund 92 Metern auf etwa 104 Meter (p < 0,001), eine Differenz von gut zwölf Metern innerhalb eines Behandlungskurses. Bei einer ohnehin kurzen Ausgangsgehstrecke ist das ein nennenswerter Zuwachs, zumal ALS progredient verläuft und sonst ein stetiger Verlust zu erwarten ist. Gleichzeitig blieb die Gehgeschwindigkeit im Zehn-Meter-Test unverändert, ebenso Schrittlänge und Kadenz. Im SF-36 zeigten weder der körperliche noch der mentale Summenscore eine signifikante Veränderung, wobei die mentale Lebensqualität schon vor Beginn der Studie relativ erhalten war (Ausgangswert 55,35).
Was bleibt, was fehlt, was zu prüfen ist
HAL (Hybrid Assistive Limb, Cyberdyne Inc., Japan) ist ein cyberdyne-basiertes Exoskelett, das bioelektrische Signale der noch innervierten Muskulatur nutzt und so die intendierte Bewegung unterstützt. Der kurzfristige Zuwachs an Gehstrecke ist bei einer Krankheit, in der der Erhalt der Mobilität oberstes Therapieziel ist, klinisch relevant, auch wenn die Studie ihn nicht in Alltagsparametern wie Sturzrate, Transfers oder Selbstständigkeit abbildet. Es fehlen eine Kontrollgruppe und ein Follow-up über einen Kurs hinaus, sodass Krankheitsverlauf und Trainingseffekt nicht sauber zu trennen sind. Bis kontrollierte Daten vorliegen, bleibt HAL eine Option in spezialisierten Zentren, kein Ersatz für klassische Krankengymnastik. Wer ALS-Patienten berät, sollte konkret erfragen, ob das Zentrum Erfahrung mit neurodegenerativen Indikationen hat, wie die 20 bis 40 Minuten dosiert werden und ob ein begleitendes Heim- oder Gangschulprogramm etabliert ist.
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