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Krankengymnastik im Wasser oder an Land bei Arthrose: Welcher Ansatz passt zu welchem Gelenkzustand

Wer mit Kniearthrose zur Krankengymnastik geht, steht oft vor einer zweiten Frage: im Becken trainieren oder an Land? Im Wasser kann der Auftrieb Bewegungen erleichtern. An Land lassen sich Kraft, Gleichgewicht und alltägliche Bewegungsabläufe gezielt üben.

Aktualisiert19. Oktober 2026
Lesezeit8 Min. Lesezeit
Krankengymnastik im Wasser oder an Land bei Arthrose: Welcher Ansatz passt zu welchem Gelenkzustand

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Ausschlaggebend ist, welche Form zur aktuellen Belastbarkeit passt und sich zuverlässig in den Alltag einbauen lässt.

Die Frage nach Wassertherapie oder Trockengymnastik betrifft deshalb mehr als die vermutete Belastung des Gelenks. Auch das konkrete Trainingsziel zählt: Soll das Gehen sicherer werden, das Aufstehen leichter fallen oder zunächst überhaupt wieder Bewegung möglich sein? Die passende Wahl kann sich mit dem Verlauf ändern.

Was die S3-Leitlinie zur Gonarthrose vorgibt

Die deutsche S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt eine Bewegungstherapie, die an die Bedürfnisse der jeweiligen Person angepasst ist. Sie rät außerdem dazu, angeleitetes und beaufsichtigtes Training in Betracht zu ziehen. Eine Rangfolge zwischen Übungen an Land und Bewegung im Wasser legt sie nicht fest.

Auch aquatische Bewegungstherapie soll als mögliche Maßnahme erwogen werden, um Schmerzen zu reduzieren, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu steigern. Das ist eine Option, keine Pflicht. Die Empfehlung besagt weder, dass Wassertraining für alle erforderlich ist, noch dass es gegenüber Landtraining grundsätzlich nur eine Ergänzung sein kann.

Für die praktische Entscheidung lohnt es sich, vom Ziel auszugehen. Im Wasser kann der Auftrieb die Belastung auf die Gelenke verringern und Bewegungen erleichtern. An Land lassen sich Kraft, Gleichgewicht und Bewegungsabläufe in der Umgebung üben, in der sie gebraucht werden. Beides kann zur Bewegungstherapie bei Gonarthrose gehören.

Wassertherapie oder Trockengymnastik: Was soll leichter werden?

Wer beim Gehen oder beim Aufstehen Schmerzen hat, braucht möglicherweise einen anderen Einstieg als jemand, der vor allem die Beinmuskulatur stärken oder das Gleichgewicht trainieren möchte. Im Wasser lassen sich Bewegungen ausprobieren, die an Land zunächst schwerfallen. Das kann helfen, wieder Vertrauen in die Bewegung zu gewinnen. An Land ist es einfacher, Übungen direkt an alltägliche Aufgaben anzulehnen.

Daraus folgt keine feste Zuordnung nach dem Röntgenbild oder nach einer allgemeinen Einschätzung des Arthrosegrads. Entscheidend ist, wie das Gelenk im Alltag reagiert und welche Belastung sich im Training dosieren lässt. Auch innerhalb einer Einheit kann die Therapeutin oder der Therapeut Übungen verändern, etwa durch einen kleineren Bewegungsumfang, ein langsameres Tempo oder zusätzliche Pausen.

Was Vergleichsstudien zu Wasser- und Landtraining zeigen

Eine 2018 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse verglich Wasser- und Landtraining bei Kniearthrose. Sie fand bei Schmerzen, körperlicher Funktion und Lebensqualität keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Ansätzen, weder kurz- noch langfristig. Eine weitere Übersichtsarbeit zu Hüft- und Kniearthrose kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Resultate des Wassertrainings erschienen mit denen des Landtrainings vergleichbar; statistisch signifikante Unterschiede wurden nicht festgestellt.

Ein fehlender statistisch signifikanter Unterschied beweist allerdings keine vollständige Gleichheit. Er bedeutet, dass die ausgewerteten Studien im Durchschnitt keine Überlegenheit der einen Methode gegenüber der anderen nachweisen konnten. Daraus lässt sich weder ableiten, dass beide Formen bei jeder Person gleich wirken, noch dass ein bestimmtes Gelenk grundsätzlich nach einer festen Regel behandelt werden sollte.

Pauschale Aussagen wie „Wasser ist bei schwerer Arthrose besser“ oder „bei leichter Arthrose genügt Landtraining“ geben die Studienlage daher nicht wieder. Für die einzelne Person bleibt die Frage, welche Belastung aktuell möglich ist, welches Ziel verfolgt wird und welches Angebot sich regelmäßig nutzen lässt.

Die Vergleichsstudien zeigen keinen allgemeinen Vorrang von Wasser- oder Landtraining. Entscheidend ist, welche Form der Bewegung im konkreten Alltag umsetzbar ist.

Internationale Einordnung: die NICE-Leitlinie NG226

Die britische NICE-Leitlinie NG226 bezieht sich auf Arthrose allgemein. Sie empfiehlt therapeutische Bewegung, angepasst an die Bedürfnisse der betroffenen Person. Dazu gehören gezielte Kräftigung und allgemeines Ausdauertraining. Betreute Trainingseinheiten sollen ebenfalls erwogen werden.

Die Leitlinie weist darauf hin, dass Gelenkschmerzen zu Beginn eines Trainingsprogramms zunehmen können. Das kann bei Übungen an Land ebenso vorkommen wie bei Bewegung im Wasser. Hydrotherapie bei Arthrose ist deshalb nicht automatisch schmerzfrei. Ebenso wenig bedeutet eine vorübergehende Zunahme von Beschwerden, dass Bewegung grundsätzlich ungeeignet wäre.

Regelmäßiges Training, das langfristig beibehalten wird, kann Schmerzen verringern und Funktion sowie Lebensqualität verbessern. Für den Einstieg ist es darum hilfreich, Beschwerden im Zusammenhang mit Art, Umfang und Verlauf des Trainings zu beobachten. Werden Schmerzen deutlich stärker, halten sie an oder schränken die Bewegung zunehmend ein, sollte die Belastung mit der Physiotherapeutin, dem Physiotherapeuten oder der Ärztin beziehungsweise dem Arzt besprochen werden. Übungen und Umfang lassen sich dann anpassen.

Der Therapiebeginn: eine passende Belastung finden

Gerade zu Beginn kann die Sorge vor Schmerzen darüber entscheiden, ob ein Trainingsprogramm überhaupt startet. Wer jede Bewegung fürchtet, hält sich womöglich stärker zurück als nötig. Beschwerden einfach zu übergehen und die Belastung unverändert fortzusetzen, ist jedoch ebenfalls keine gute Strategie. Ziel ist ein Einstieg, der Bewegung ermöglicht und zugleich Raum für Anpassungen lässt.

Bei Landtraining können ein kleinerer Bewegungsumfang, weniger Widerstand oder zusätzliche Pausen helfen. Im Wasser lässt sich Bewegung oft mit weniger Gewicht auf den Gelenken erproben. Auch dort ist die Belastung veränderbar: Tempo, Dauer und Auswahl der Übungen spielen eine Rolle. Das Becken nimmt der Einheit also nicht automatisch jede Anstrengung.

Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann die Reaktion auf das Training einordnen und die Übungen schrittweise anpassen. Dabei geht es um mehr als die Wahl des Ortes. Wie tief wird das Knie gebeugt? Wie lange wird eine Position gehalten? Welche Strecke ist sinnvoll? Soll zunächst das sichere Gehen oder das Aufstehen vom Stuhl geübt werden? Solche Fragen machen aus einer allgemeinen Empfehlung ein konkretes Programm.

Regelmäßigkeit ist entscheidend, weil der Trainingseffekt nicht aus einer einzelnen Einheit entsteht. Das geeignete Programm ist deshalb eines, das sich wiederholen und mit der Zeit weiterentwickeln lässt. Dazu gehören realistische Absprachen über Übungen zu Hause. Wer ein Wasserangebot nutzt, kann klären, welche Teile des Trainings sich ergänzend an Land durchführen lassen. Wer in der Praxis an Land trainiert, kann mit der Therapeutin oder dem Therapeuten besprechen, wie sich die Übungen in den Tagesablauf übertragen lassen.

Krankengymnastik im Schwimmbad: Möglichkeiten und Grenzen

Der Auftrieb des Wassers kann Bewegungen erleichtern, die an Land schmerzhaft oder anstrengend sind. Das kann den Einstieg unterstützen, wenn Belastungsschmerzen oder Unsicherheit dazu führen, dass Bewegung vermieden wird. Gleichzeitig bietet das Wasser Widerstand: Bewegungen lassen sich gegen diesen Widerstand ausführen und dosieren.

Zu den praktischen Grenzen zählen der Weg zum Becken, der Zugang, Umkleiden und der Umgang mit dem Wasser. Auch die verfügbare Wassertiefe und die Gestaltung der Einheit beeinflussen, welche Übungen möglich sind. Ein Gruppenangebot kann motivieren, bietet aber nicht automatisch dieselbe individuelle Betreuung wie eine Einzelbehandlung. Welche Unterstützung verfügbar ist, hängt vom jeweiligen Angebot ab.

Landtraining hat andere Vorzüge. Übungen lassen sich mit dem eigenen Körpergewicht, an Geräten oder auf der Matte ausführen. Gangschulung und Bewegungsabläufe wie Aufstehen oder Treppensteigen können direkt geübt werden. Manche Übungen belasten das Gelenk dabei spürbarer, weshalb eine passende Dosierung wichtig ist.

AspektTraining an LandTraining im Wasser
BelastungBewegungsumfang, Tempo und Widerstand lassen sich anpassenDer Auftrieb kann die Gelenkbelastung verringern; zugleich bietet das Wasser Widerstand
AlltagsbezugGang, Gleichgewicht und Bewegungsabläufe des Alltags lassen sich direkt übenBewegungen können in einem entlastenden Umfeld erprobt werden
ZugangPraktisch, wenn Praxis, Geräte oder Übungen zu Hause gut erreichbar sindSetzt ein erreichbares Becken und passende Zeiten voraus
EinstiegKann bei ausgeprägten Belastungsschmerzen zunächst schwerfallenKann Bewegung erleichtern, ist aber nicht automatisch schmerzfrei
BetreuungJe nach Angebot Einzeltherapie, Kleingruppe oder selbstständiges ÜbenJe nach Angebot Einzeltherapie oder Gruppe mit unterschiedlichen Betreuungsmöglichkeiten

Die Tabelle beschreibt keine festen Regeln. Sie bündelt Fragen, die bei der Wahl helfen können: Welche Bewegung soll leichter werden? Wo lässt sich regelmäßig trainieren? Welche Beschwerden treten bei welcher Belastung auf? Und welche Form macht es wahrscheinlicher, dass die Person in Bewegung bleibt?

Anpassung statt Schema: Gelenkzustand und persönliche Bedürfnisse

Die Entscheidung hängt nicht allein davon ab, ob Arthrose vorliegt oder wie sie auf einem Bild eingestuft wurde. Wichtig ist, welche Bewegungen im Alltag möglich sind und wie das Gelenk darauf reagiert. Bei deutlichen Belastungsschmerzen kann ein Einstieg im Wasser hilfreich sein. Wenn Kraft, Gleichgewicht oder Gang im Mittelpunkt stehen, können Übungen an Land naheliegen. Beide Formen lassen sich im Verlauf kombinieren, sofern sie verfügbar und passend sind.

Auch persönliche Voraussetzungen gehören in die Abwägung. Dazu zählen die Sicherheit beim Ein- und Aussteigen ins Becken, die Wassergewöhnung, die Herz-Kreislauf-Belastbarkeit und der Zugang zum Angebot. Bei gesundheitlichen Einschränkungen sollte die Teilnahme mit der behandelnden Fachperson besprochen werden. Eine allgemeine Tabelle kann diese individuelle Einschätzung nicht ersetzen.

Bei Arthrose an Hüfte, Sprunggelenk oder Schulter lässt sich die Wahl ebenfalls nicht allein über den Gelenknamen treffen. Die hier beschriebenen direkten Vergleiche betreffen vor allem Knie- und Hüftarthrose. Eine deutsche S3-Empfehlung, die Wasser- und Landtraining für jedes Gelenk direkt gegeneinanderstellt, liegt nicht vor. Bei anderen Gelenken sollten deshalb die konkrete Funktion, die möglichen Bewegungen und das Trainingsziel im Vordergrund stehen.

Das passende Setting richtet sich nach Gelenk, Trainingsziel und Alltag. Einen starren Vorrang von Wasser oder Land geben die Empfehlungen nicht vor.

Am Ende zählt, ob die Bewegungstherapie zur aktuellen Belastbarkeit passt und sich regelmäßig durchführen lässt. Die Leitlinien und Vergleichsstudien sprechen für eine individuelle Anpassung; sie begründen keinen pauschalen Vorrang der Trockengymnastik und schließen Wassertraining nicht aus.

Wer mit Arthrose vor der Entscheidung steht, kann mit der Physiotherapeutin, dem Physiotherapeuten oder der behandelnden Ärztin klären, welche Bewegungen geübt werden sollen, wie sich die Beschwerden entwickeln und welche Angebote erreichbar sind. Bei Bedarf lässt sich die Belastung verändern oder ein anderes Setting erproben. So wird aus der Frage „Krankengymnastik im Wasser oder an Land bei Arthrose“ keine Glaubensfrage, sondern eine Abwägung entlang von Gelenkzustand, Funktion und Alltag.

Häufige Fragen

Was ist besser bei Arthrose: Krankengymnastik im Wasser oder an Land?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist, welche Form zur aktuellen Belastbarkeit passt, welche Ziele verfolgt werden und was sich zuverlässig in den Alltag einbauen lässt.
Zeigen Studien, dass Wassertraining bei Arthrose wirksamer ist als Landtraining?
Nein, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen fanden bei Knie- und Hüftarthrose keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Ansätzen bei Schmerzen, Funktion und Lebensqualität.
Ist die Hydrotherapie bei Arthrose völlig schmerzfrei?
Nein, Hydrotherapie ist nicht automatisch schmerzfrei. Die NICE-Leitlinie weist darauf hin, dass Gelenkschmerzen zu Beginn eines Trainingsprogramms sowohl im Wasser als auch an Land zunehmen können.
Welche Vorteile hat das Training im Wasser?
Der Auftrieb des Wassers kann die Belastung auf die Gelenke verringern und Bewegungen erleichtern, die an Land zunächst schwerfallen. Zudem bietet das Wasser Widerstand, gegen den trainiert werden kann.
Wann ist Trockengymnastik bei Arthrose besonders geeignet?
An Land lassen sich Kraft, Gleichgewicht und alltägliche Bewegungsabläufe wie das Aufstehen oder Treppensteigen direkt in der Umgebung üben, in der sie gebraucht werden.